GEWERBEZUNFT KUCHL
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Geschichte der Kuchler Zunft:    1888 - 1942   Die Zeit der Genossenschaft ...

  Die Liberalisierung und die neue Gewerbeordnung von 1858 erforderten eine Neugestaltung der ehemaligen Zünfte. Die in den 1870er Jahren begonnene Öffnung der Schuhmacherzunft war Grundlage für die Gründung der Gewerbegenossenschaft Kuchl., die im Jahr 1888 unter der Führung des Bäckermeisters Michael Schnöll erfolgte. Erster Obmann der Genossenschaft war Rupert Unterwurzacher, Schuhmachermeister:

Gründungsmitglieder:  
Michl Schnöll - BäckerIgnaz Waldauf - SchneiderJosef Huber - Sattler
Johann Kaufmann - SchmidJosef Eßl - SchuhmacherHeinrich Wallmann - Tischler
Johann Moser - SilberarbeiterThomas Mühlthaler - SchuhmacherJohann Wurnig - Schuhmacher
Rupert Unterwurzacher - SchuhmacherMatthias Wallmann - WagnerMichl Hochwallner - Schmid
Rosina Gimpl - SchmidJohann Reschreiter - Schneider von StrubauFranz Lorenz - Schneider von Strubau
Adam Sägmüller - MüllerAnton ... - SchuhmacherFilipp Wallinger - Wagner
Joseph Schmid - SchmiedmeisterJohann Putz - GabelmacherJoseph Reiter - Schuhmacher
Leopold Mühlthaler - SchuhmacherMatthias Schnöll - Mühl SägerJohann Neureiter - Säger
Joseph Gehmacher - GlaserMatthias Schaber - SattlerKonrad Höllbacher - Zimmermeister
Anton Rettenbacher - WeberMichael Schönleitner - SägerStefan Trübenbacher - Bäcker
Helma Schunkl - WeberJosef Steinwender - SägerAndrä Siller - Säge Mühle
Josef Zuckerstätter - Simon Wimmer - SchmiedJosef Gerl - Schuhmacher

 

Statuten

Statuten der Gewerbegenossenschaft KuchlStatuten der Genossenschaft der Schneider, Sattler, Schuhmacher, Weber, Glaser, Maurer- und Zimmermeister, Bäcker, Müller, Sägmüller, Binder, Schneider, Tischler, Gabelmacher, Wagner, Hufschmiede- und Silberarbeiter, der Gemeinde Kuchl und St. Koloman

Zweck: §1: Der Zweck dieser Genossenschaft besteht in der Pflege des Gemeingeistes, in der Erhaltung und Hebung der Standesehre unter den Genossenschafts-Mitgliedern und Angehörigen sowie in der Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder und Angehörigen.

Insbesondere obliegt ihr: a) die Sorge über die Erhaltung geregelter Zustände zwischen den Gewerbeinhabern und ihren Gehilfen, besonders in Bezug auf den Arbeitsverband.

Die Gründung der Genossenschaft aus der erweiterten Schuhmacherzunft heraus, war für die Gewerbetreibenden von Kuchl ein großer Erfolg, da man auf vielen Ebenen wirtschaftlichen Einfluss gewann und andererseits die alten Traditionen fortführte. Allerdings war die wirtschaftliche Lage in diesen Jahren eher schwierig. Diese besserte sich allerdings wieder ab 1892. Beim traditionellen Jahrtag am 4. September 1892 wurde die Trennung von den Gewerbetreibenden der Gemeinde St. Koloman vollzogen. Die allgemeine Aufbruchsstimmung zeigt auch der Ankauf einer neuen Fahne, die mittels einer Spendenaktion finanziert wurde.

Die vormals abgeschaffene Lehrlingsprüfung wurde wieder eingeführt und ein Ansuchen der Genossenschaften von Abtenau und Golling, indem der Prüfungsort Kuchl vorgeschlagen wird, damit man nicht in die Stadt zu gehen braucht, beweist - dass die Kuchler Gewerbegenossenschaft, wie die alte Schusterzunft, die bedeutendste Genossenschaft des Bezirkes war.

Neue Veränderungen brachte die Abtrennung vom Bezirk Flachgau und Gründung des Bezirk "Tännengau" mit der Bezirkshauptmannschaft in Hallein, im Jahr 1896. Dies brachte sicherlich Vorteile für die Kuchler Gewerbetreibenden - aber es gab auch Meinungsverschiedenheiten mit der in Hallein nun ansässigen ersten Gewerbebehörde und mit den übergeordneten Bezirks- und Landesgenossenschaften. Nach der Jahrhundertwende wurde mit  Genehmigung der Landesregierung begonnen, Landesfachgenossenschaften zu gründen . Dies bedeutet allerdings einen langsamen Zerfall der örtlichen Genossenschaften.

1911 gründeten die Schuhmacher aus der Kuchler Gewerbegenossenschaft auf Initiative des Kuchler Schuhmachers Thomas Riedl einen eigenen Schuhmacher-Bezirksverband (Statutengenehmigung am 7. Mai 1912).  Die traditionelle Vorrangstellung der Kuchler Schuhmacher blieb aber bestehen, da sich der Sitz dieses Verbandes in Kuchl befand.

Mit der Neuorganisationen der Fachgenossenschaften verschwanden die Bindungen der Zünfte an ihre regionalen Märkte und auch in Kuchl brachte der 1. Weltkrieg das Ende der offiziellen Gewerbegenossenschaft im Jahr 1917. Die alten Traditionen wurden allerdings im verminderten Maße weitergeführt und erlitten in der Zeit des Nationalsozialismus einen weiteren Dämpfer ...

 

Genossenschafts-Obmänner (Zunftvater):

Unterwurzacher Rupert   1888 - 1891
Wallmann Matthias   1892 - 1894
Wurnig Johann   1895 - 1898
Schnöll Michael   1898 - 1906
Riedl Thomas   1906 - 1913
Schachinger Johann   1913 - 1921

Quellen:
Archiv der Gewerbezunft Kuchl
Dr. Franz Lospichl - Der Gewerbejahrtag in Kuchl (1971)
Prof. Mag. Siegfried Lettner - Die Geschichte der Gewerbezunft von Kuchl (1999)
Rupert Unterwurzacher - Entflammt - eine Ortsgeschichte, eine Familiengeschichte, eine Feuerwehrgeschichte (2009)