GEWERBEZUNFT KUCHL
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Geschichte der Kuchler Zunft:    Zunft-Kostbarkeiten

    Im Laufe der Jahren haben sich wertvolle Kostbarkeiten bei der Gewerbezunft Kuchl angesammelt. Abgesehen vom sehr hohen materiellen Wert besitzen diese Gegenstände eine nicht hoch genug einzuschätzende historische und ideelle Bedeutung für die Kuchler Gewerbetreibenden.

 

Das spätgotische Schusterzunftkreuz aus der Zeit um 1520 

Zunftkreuz KuchlDas Schusterzunftkreuz stammt vermutlich aus der Zeit um 1520. Es ist die älteste und kostbarste Rarität im Besitz der Kuchler Gewerbezunft.  Die bemerkenswerte spätgotische Holzschnitzarbeit eines unbekannten Künstlers wurde im Laufe der Jahre leicht verändert und immer wieder restauriert.

Das Kreuz ist 110 cm hoch und 58 cm breit. Aus einem Vierpass-Fuß entwickelt sich ein stilisiertes reiches Rankwerk, das den Lebensbaum, den Baum des Paradieses, versinnbildlicht. Der Stamm in der Mitte und die Achse des Kreuzes tragen den Korpus Christi, flankiert von den Assistenzfiguren, der Muttergottes und des hl. Johannes, die anscheinend erst später eingebracht wurden. Der Körper des Gekreuzigten ist in Silber gefasst. Die ganze Art der Ausführung, der tief eingeschnittene Brustkorb, die Kopfhaare, der Bart, die Fußstellung sind typisch für die Zeit um 1520. Die selben stilistischen Merkmale weisen die Figuren der hl. Maria und der hl. Johannes auf. Die Muttergottes hält mit der Rechten das Kopftuch, um ihre Tränen zu trocknen. Der reiche Faltenwurf des Gewandes ist sehr großzügig gearbeitet. Der hl. Johannes hält mit der einen Hand das Evangelienbuch, mit der anderen den Zipf seines Mantels. Seine Haare sind ähnlich reich gelockt wie beim Gekreuzigten. Alles typische Merkmale für diese Zeit. Die Rückseite des Kreuzes ist glatt, zeigt aber deutliche Spuren einer ursprünglichen Bemalung. Die weiße, unten angebrachte Tafel mit der Inschrift: "Gott segne das Gewerbe" ist eine Zutat von Professor Adelhart, der im Jahre 1956 das Kreuz restaurierte.

Es handelt sich eindeutig um ein Zunftkreuz, von einem erstklassigen Meister geschnitzt, vor allem, was die Figuren betrifft. Dieses Zunftkreuz wurde der Überlieferung nach bei jeder Veranstaltung und Ausrückung der Zunft mitgetragen. Das Original wird im Museum Kuchl aufbewahrt. Eine originalgetreue Kopie des Zunftkreuzes wurde im Jahr 1993 in Auftrag gegeben, um das wertvolle Original zu schonen. Diese Kopie wird auch heute noch bei jeder Ausrückung der Gewerbezunft Kuchl mitgetragen.

 

Das Schusterkreuz aus der zeit um 1790  Schusterkreuz 1790 - Gewerbezunft Kuchl

Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein Schuster- oder Zechkreuz, vermutlich aus dem Jahr 1790. Auf der Vorder- und auf der Rückseite aus Holz geschnitzt und golden überzogen. Es zeigt den Korpus Christi, aber ohne Assistenzfiguren. Der Knauf zeigt das typische Girlandenmuster der Empirezeit. Die Arbeit dürfte von einem Salzburger oder Halleiner Künstler zwischen 1790 und 1800 geschnitzt worden sein. Es ist nicht mehr in Verwendung und wird ebenfalls im Museum Kuchl aufbewahrt.

 

 Zunftfahnen 1892, 1955 und 2003 

Neben dem Zunftkreuz ist die Zunftfahne ein äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit der Zunftmitglieder. Die erste Fahne wurde im Jahr 1892 angeschafft und zeigt auf der einen Seite die Muttergottes mit dem Jesuskind und auf der anderen Seite den hl. Josef, den Schutzpatron der Zimmerer, mit der Aufschrift: "Gott segne das Gewerbe". Die Bilder sind signiert mit "pinx Fr. Th. Reinfalt in Hallein 1892". Die Aufschrift der dazugehörigen Fahnenbänder lauten u.a. "Collectiv Genossenschaft kuchl gegr. am 4. Sept. 1892" und "Erinnerung an die Fahnenweihe der Collectiv Genossenschaft Kuchl am 4. Sept. 1892". Das rot-weiße Fahnentuch wurde von den Halleiner Schulschwestern im Orden des hl. Franziskus gestickt.

Da die alte Fahne im Laufe der Zeit durch Abnützung restaurationsbedürftig wurde, ging man in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts daran, eine neue Fahne anzuschaffen. Diese wurde von der Herbergsmutter vom Stiegenwirt, von Frau Barbara Bernhofer dankenswerter Weise gespendet. Dadurch konnte, die nicht gerade üppig gefüllte Zunftlade entlastet werden. Die Fahne zeigt auf der einen Seite den hl. Josef bei der Arbeit, umgeben von traditionellen Zeichen der verschiedenen Zünfte mit der Aufschrift: "Gott schützen den edlen Handwerkstand!". An den vier Ecken prangt der Spruch: "Der Geselle ist die Saat des Handwerkstandes der Zukunft". Auf der anderen Seite ist das Kuchler Wappen und die Inschrift: "Gewerbezunft Kuchl" - "Gestiftet v.d. Herbergsmutter Barbara Bernhofer".  In den vier Ecken verzieren Enzian und Edelweiß die Fahne. Diese wird in einem Schaukasten im Gasthof zur Goldenen Stiege aufbewahrt.

Da die alte Fahne durch Umwelteinflüsse stark geschädigt ist, wurde 2003 eine neue Zunftfahne angeschafft. Die Firma Ridia aus Oberösterreich fertigte ein hochwertiges Produkt an, dass den hohen Qualitätsansprüchen des Handwerkgewerbes entspricht. Die Gestaltung orientiert sich am Aussehen der alten Fahne. Neu in die Fahne eingefügt wurden die Symbole der Zunft: Die Zunftlade, der Zinnschuh und das Zunftkreuz, sowie ein gesticktes Bild des hl. Josef als Tischlermeister vor dem Hintergrund des Kuchler Marktes. Text auf der Vorderseite: " Gott schütze den edlen Handwerkstand" und "Der Geselle ist die Saat des Handwerkes der Zunft". Auf der Rückseite befindet sich das Zunftkreuz in gestickter Form. Oberhalb die Schrift: "Gewerbezunft" - unterhalb: "1522" und "2003". Im linken Teil die Zunftlade und im rechten Teil der Zunftschuh. An der linken oberen Ecke das Gemeindewappen und das Landeswappen.

Zunftfahne 1892 - Gewerbezunft KuchlZunftfahrne 1892 - Gewerbezunft Kuchl
Erste Zunftfahne - 1892
  
Zunftfahne 1955 - Gewerbezunft KuchlZunftfahne 1955 - Gewerbezunft Kuchl
Zweite Zunftfahne - 1955
  
Zunftfahne 2003 Zunftfahne 2003 
Dritte Zunftfahne - 2003

 

 Das Meisterschild von 1876

Meisterschild - Gewerbezunft KuchlDas Meisterschild der Gewerbezunft Kuchl hängt im Gastzimmer der Zunftherberge. Es hat die Form eines ovalen Schildes, auf dem auf Leinengrund die alten Handwerkszeichen in Holz geschnitzt sind. In der Mitte des Schildes befindet sich die Inschrift: "Hoch lebe der edle Handwerksstand" und "Errichtet am 10. September 1876". Früher war es üblich, dass die Gesellen am Jahrtag das Schild mit gespielter, großer Anstrengung abnahmen und in den Festsaal trugen, bei jeder Tür und Stiegenabsatz wieder rastend und sich ausgiebigst aus dem von den Meistern gespendeten Doppelkrug Bier labend. Das selbe Spiel wiederholte sich am Tag nach dem Jahrtag abends, wenn das Schild wieder aufgehängt wurde. Neben diesem Meisterschild existieren noch ein Gesellen- oder Burschenschild. Es trägt altertümliche Inschriften, ist aber verhältnismäßig jungen Datums, nämlich aus dm Jahr 1927.

 

 Die Zunftlade

Zunftlade 1790 - Gewerbezunft KuchlDie Zunftlade - ein gar wichtiger Einrichtungsgegenstand der Zunft. Es ist eine relativ einfache, beschnitzte kleine Holztruhe mit Einlegearbeiten und ohne Beschläge. Sie wird in das Jahr 1790 datiert und im Museum Kuchl aufbewahrt. In der Truhe befinden sich alte Gesellenbriefe und ein Gebetszettel aus dem Jahr 1833. Sei jeher dient sie zur Aufnahme von wichtigen Schriftstücken. Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Truhe bei der Gesellen- und Meisteraufnahme in die Zunft, bei denen die "geforderte Tax" in die "offene Lade" eingezahlt wurde. Noch heute wird die Zunftlade vor jedem Schusterjahrtag aus dem Museum geholt und für die verschiedenen Zeremonien beim Jahrtag verwendet.

 

 Bahrtücher 

In der Geschichte der Zunft wurden insgesamt 3 Bartücher angeschafft, die bei den Beerdigungen der Zunftmitglieder auf den Sarg gelegt wurden. Das älteste Bahrtuch ist leider verloren gegangen, die Bahrtücher der Genossenschaft aus dem Jahr 1893 und der Zunft aus dem Jahr 1968 sind heute ebenfalls im Museum Kuchl untergebracht.

 

 Zunftschuhe - Gewerbezunft KuchlDer Zunftschuh

In den Ritualen der Zunft und damit im gesellschaftlichen Leben spielte der wertvolle Zinnschuh eine zentrale Rolle. Dieser stammt aus dem Jahr 1722 und befindet sich ebenfalls im Museum. Seit der Wiedereinführung der Meisteraufnahme in der Zunft im Jahr 1993 entsprach er nicht mehr den hygienischen Anforderungen und er wurde durch eine Neuanschaffung ersetzt, die heute noch verwendet wird, um den Gesellen und den neue aufgenommenen Meistern einen "Trunk" zu reichen.