GEWERBEZUNFT KUCHL
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Geschichte der Kuchler Zunft:    Kurioses ...

    In der Korrespondenz der Genossenschaft befinden sich auch Dokumente, deren Inhalt aus heutiger Sicht den Lesenden zum Schmunzeln anregen können und deshalb wörtlich wiedergegeben werden.

 

Aufruf zur Verwendung von Torfmull in Abort-Anlagen 

tormull - Gewerbezunft KuchlTorfmull, welche in der letzten Zeit in großem Maßstabe fabriksmäßig erzeugt wird, ist dadurch gekennzeichnet, dass er große Mengen Flüssigkeit auf zu saugen vermag, je nach seiner Güte das 6- bis 15-fache seines eigenen Gewichtes. Zugleich besitzt er in hervorragenden Maße die Fähigkeit, faulende Wasser geruchlos zu machen, indem er gewisse organische Schadstoffe absorbiert und andere basische Dämpfe durch seine Eisensalze bildet. Der Zusatz von Torf zu den Fäkalien muss vom Standpunkt der Landwirtschaft aus als höchst rationell bezeichnet werden, da dadurch der Verlust der wertvollen Jauche, wie er in den gewöhnlichen offenen und undichten Düngegruben eintritt, vermieden und ein sehr geeigneter Dünger besonders für sogenannten schweren Boden gewonnen wird  Durch Zusatz genügender Mengen von Torfmull a 150 Gramm pro Kopf und Tag zum Gemisch von Harn und Kot eine vollkommen trockene Masse erzeugt und zugleich die Aborte fast vollkommen geruchlos gemacht werden können ...

Insbesondere wäre es zu wünschen, dass in den Landwirtschaften und in den kleineren Landbau betreibenden Ortschaften an Stelle der heutigen Vergeudung der kostbaren Dungstoffe und Durchseuchung des Bodens mit Jauche die Kompostierung mit Torfstreu träte. Durch eine ausgedehnte Verwendung des Torfes in den oben erwähnten Sinne würde in solchen Gegenden, wo sich Torflagen befinden, den armen Bewohnern ein neuer Erwerbszweig geboten. Die Verwendung des Torfes in Schuhhäusern auf dem Lande sei besonders erwünscht, und zwar deshalb, um den Torfmull Eingang bei der Landbevölkerung zu verschaffen. Die Genossenschaftsvorstehung wird daher eingeladen, bezüglich der Verwendung von Tormull für Abort-Anlagen das Weitere zu veranlassen und über die mit Tormull erzielten Erfolge bis 15. Jänner 1904 zu berichten.

K.K. Bezirkshauptmannschaft Hallein, 26.11.1903

 

Sparbüchsen 

Sparbüchse - Gewerbezunft KuchlEin kurioses Beispiel für die wachsende Konkurrenz einheimischer Firmen durch ausländische Angebote im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft:

Der Bund österreichischer Industrieller hat die Aufmerksamkeit des Handelsministeriums darauf hingelenkt, dass ein beträchtlicher Teil der in Österreich zur Einführung gelangter Heimsparbüchsen bisher aus dem Ausland, insbesondere aus Amerika, bezogen wurden, obwohl dieser Artikel in Inland gleichfalls in entsprechender Qualität und Preislage hergestellt wurde. Die vom Handelsministerium im Gegenstande gepflogenen Erhebungen ergaben das Resultat, dass sich in der Tat eine Reihe inländischer Unternehmungen mit der Erzeugung von 2 Heimsparbüchsen befasst und dass speziell auch nach dem System der BumsG in New York konstruierte Sparbüchse im Inland hergestellt wurde. Die Qualität der inländischen Erzeugnisse entspricht vollkommen und es wird darauf hingewiesen, dass die inländische Produktion in der Lage ist, den Bedarf an diesem Artikel ausreichend und auch zu angemessenen Preisen zu befriedigen. Mit Erlass der k.k. Landesregierung vom 1.2.1901 wird der Vorstehung nahegelegt, bei eventueller Einführung des Heimsparkassensystems die Inlandsfabrikate bei Deckung des Bedarfs zu berücksichtigen.

 

Konzession für Luftschifffahrt 

Luftschiffahrt - Gewerbezunft KuchlDie Zeit nach 1895 wird von Historikern als die zweite industrielle Revolution bezeichnet und ist durch eine Fülle von technischen Neuerungen gekennzeichnet. Dazu gehören auch die Anfänge der Luftschifffahrt, wie ein Schreiben an die Genossenschaft beweist:

An die Genossenschaft Kuchl:
Die ganz bedeutenden Fortschritte, welche die Technik der Luftschifffahrt in den letzten Jahren aufzuweisen hat, haben die Erfahrung gezeitigt, dass mit dem gewerbsmäßigen Betriebe der Luftschifffahrt nunmehr erntslich gerechnet werden muss.
So sehr diese Erscheinung an und für sich, insbesondere vom Standpunkt der Volkswirtschaft, zu begrüßen ist, kann sich die Staatsverwaltung angesichts der zahlreichen großen Gefahren, welche bekanntlich mit dem Betriebe der Luftschifffahrt verbunden sind, der Notwendigkeit nicht verschließen, den Betrieb solcher Unternehmungen an gewisse Kautelen (Sicherheitsmaßnahmen) zu knüpfen, welche geeignet wären, die mit der Ausübung der Luftschifffahrt notorisch verbundene Gefährdung der Allgemeinheit möglichst einzuschränken.
Das k.k. Handelsministerium beabsichtigt aus diesen Erwägungen, die gewerbsmäßige Ausübung der Luftschifffahrt im Sinne des § 24 G.O. an eine Konzession zu binden.
Eine Abschrift des Entwurfes der bezüglichen Verordnung wird sohin mit dem Auftrage übermittelt, hiezu in Gutachten abzugeben.

Der Bericht ist bis längstens 4. Juni zu entsprechen.
Der k.k. Bezirkshauptmann

Quellen:
Archiv der Gewerbezunft Kuchl
Dr. Franz Lospichl - Der Gewerbejahrtag in Kuchl (1971)
Prof. Mag. Siegfried Lettner - Die Geschichte der Gewerbezunft von Kuchl (1999)