GEWERBEZUNFT KUCHL
seit 1522
 Startseitee - Geschichte - 1522 - 1888   Die Zeit der Schusterzunft ...

 

Geschichte der Kuchler Zunft:    1522 - 1888   Die Zeit der Schusterzunft ...

   Die Geschichte der Zunft und des Marktes Kuchl sind eng verbunden. Frühhistorische Funde die in die jängere Steinzeit (4500 - 1800 v. Chr.) zurück reichen, belegen erste Siedlungsgebiete am Georgenberg in Kuchl. Kelten und Römer folgten und ließen in CUCULLAE / CUCULLUS eine römische Post- und Raststation errichten, die sogar in der berühmten römischen Straßenkarte "Tabula Peutigeniana"  verzeichnet ist. Zwischen 470 und 475 n. Chr. wirkte der hl. Severin in Kuchl verschiedene Wunder. Ein Tauschvertrag aus dem Jahr 997 des Kuchler Dienstmannes Gezo mit dem Erzbischof von Salzburg war die Grundlage für die Errichtung einer Mutterpfarre in Kuchl und schließlich die Einrichtung einer Grafschaft samt Landgericht, das bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts ausgeübt wurde. Das Geschlecht der Kuchler führte in seinem Wappen einen springenden Hirschen. Dieses Wappen findet - auch wenn sich das Geschlecht seit 1375 aus dem Land Salzburg zurückzog - noch heute als Gemeindewappen Anwendung. Gegen 1380 erfolgte die Erhebung der Dorfes Kuchl zum Bannmarkt. Seit 1349 besaß der Ort bereits das Recht einen oder mehrere Viehmärkte abzuhalten. Nunmehr kamen weitere Rechte des freien Kaufs und Verkaufs hinzu und verhalf Kuchl zu seinem wirtschaftlichen Aufschwung.   

Link: Marktgemeinde Kuchl

 

Schuhmacherzunft

Burgerschaft Buch Kuchl - 1584Die Gewerbezunft Kuchl entstand aus der großen Zunft der Schuhmacher, die wiederum aus der Bruderschaft der Schuhmacher hervor ging. Aufzeichnungen über das Schusterkreuz (vermutlich aus dem Jahr 1520) und eine entsprechende urkundliche Erwähnung (vermutlich aus dem Jahr 1524) belegen die Gründungszeit In dieser Zeit erhielten die meisten Handwerkszweige eigene Ordnungen. 1524 wurde das in die Polizeiordnung eingeschobene Handwerksverordnung als das erste Salzburger Gewerbegesetz geschaffen. Die Entstehung der Schusterzunft in Kuchl ist auch auf die wirtschaftlichen Maßnahmen der Bürgerschaft Kuchl zurück zu führen, wie aus dem Bürgerschafts-Buch aus dem Jahr 1584 zu entnehmen ist.

Die folgenden Jahrzehnte waren durch die religiösen und den daraus resultierenden politischen Problemen für eine gedeihliche Entwicklung des Handwerks wenig günstig. Mit 385 steuerpflichtigen Personen gehörte zum Beispiel Kuchl im Jahr 1609 zu den größten Märkten des Landes. 1618 wurde von Erzbischof Markus Sittikus wieder eine neue Handwerksordnung verfasst, die im wesentlichen die Bestimmungen enthält, die auch in der Kuchler Ordnung des Jahres 1688 erhalten sind. Diese Ordnung umfasste auch Schuster des Marktes Golling, der Hauptsitz war aber in Kuchl und auch die "Lade" - eine Holzkiste, in der alle wertvollen Utensilien der Zunft aufbewahrt wurden, befand sich in Kuchl.

Link: Bürgerschaft Kuchl

Schuhmacherkreuz 1520Mit der Einführung der Zünfte und den entsprechenden Regeln versuchte man die Existenzgrundlage der einzelnen Berufe zu sichern und einen Wildwuchs von "Pfuschern" zu verhindern. Die Schusterzunft in Kuchl hatte das Recht, zur Abhaltung von Meister- und Gesellenprüfungen sowie zur Kontrolle der Qualität der hergestellten und verkauften Waren auf den Kuchler Märkten. Allerdings standen die Zünfte unter der Gerichtsbarkeit der Erzbischöfe, um allzu großen Machtverlust zu verhindern. Die Ordnung regelte auch die Aufnahme in die Zunft, die Aufnahmegebühr, die Ausgaben, Streitfragen, Bußgeld usw.

An der Spitze der Zunft stand ein Zechmeister und ein 4er Ausschuss, die sogenannten Viermeister, die laut Zunftordnung beim jährlichen Jahrtag in der Zunftherberge von Meistern und Gesellen gewählt wurden. Der Zechmeister führte bei diesem Schusterjahrtag den Vorsitz und stand auch bei öffentlichen Auftritten, wie z.B. bei der Fronleichnamsprozession und bei Beerdigungen von Mitgliedern an der Spitze. Am Schusterjahrtag hatte der Zechmeister der Vollversammlung, dem Ausschuss und dem Vertreter des Erzbischofs (Pfleger) die Jahresabrechnung zur Genehmigung vorzulegen.

 

Vom Lehrling zum Meister  

Lehrbrief - Gewerbezunft KuchlWollte man als Lehrling in einer Kuchler Schuhmacherwerkstatt aufgenommen werden, so musste man von ehelicher Geburt und von keiner bösen Tat behaftet sein. Kinder von Eltern aus wenig angesehenen Berufen, wie Abdecker, Scharfrichter, Schweineschneider oder Ähnliches, waren von der Aufnahme in die Zunft ausgenommen. Der Lehrling musste bei offener Lade in Beisein der Obrigkeit am Schusterjahrtag geloben, seinem Meister 3 Jahre aneinander treu zu dienen und das Handwerk, wie es sich gehört, ehrlich zu lernen. Nach der erfolgreichen Lehrzeit, die sicher keine Herrenjahre waren, erfolgte beim Schusterjahrtag die Freisprechung des Lehrlings von Sünden während der Lehrzeit. Nicht selten gab es dabei eine Maulschelle, eine "Watschn", damit sich der Losgesprochene auch lebhaft an seine Verfehlungen erinnern konnte. Im Anschluss daran wurde der begehrte Gesellenbrief ausgehändigt, der mit viel Anerkennung und Hochachtung verbunden war. Nach der Lehrzeit hatten die Gesellen die Pflicht auf Wanderschaft zu gehen, um ihre Fähigkeiten zu perfektionieren. Die Ablegung der Meisterprüfung und die Mitgliedschaft in der Schuhmacherzunft bedeutete Ehre und gesellschaftliche Anerkennung.

Durch mehr als drei Jahrhunderte hindurch konnte sich das Zunftwesen mit seinen Ordnungen und Traditionen und damit auch die Lade der Schuhmacher in Kuchl nahezu unverändert entfalten. Die Aufklärung in Österreich im 18. Jahrhundert und der daraus resultierende Liberalismus im 19. Jahrhundert waren die Grundlagen für die folgende Verminderung der Zünfte. .

 

Schwierige Zeit der Zünfte  

Die neue Gewerbeordnung vom 20.12.1859 stieß beim Handwerk auf völliges Unverständnis. Bis auf 14 konzessionierte Gewerbe war jede selbstständige Ausübung eines Gewerbes frei und somit ohne besondere Voraussetzungen und Fachwissen möglich. Dadurch erfolgte eine Verminderung der bestehenden Zünfte. Sie wurden teilweise durch Genossenschaften mit Pflichtcharakter, die unter der Aufsicht der Bezirkshauptmannschaften standen, abgelöst. Bei der Kuchler Schusterzunft gab es hingegen eine Öffnung für andere Berufe. So wurden 1877 z.B. ein Sattlermeister, ein Zimmermeister und ein Kaufmann aufgenommen. Mit dieser Maßnahme wurde auf die gesetzliche Neuregelung reagiert und vorausschauend die Grundlangen für eine Genossenschaftsgründung gelegt ...

Quellen:
Archiv der Gewerbezunft Kuchl
Dr. Franz Lospichl - Der Gewerbejahrtag in Kuchl (1971)
Prof. Mag. Siegfried Lettner - Die Geschichte der Gewerbezunft von Kuchl (1999)
Rupert Unterwurzacher - Entflammt - eine Ortsgeschichte, eine Familiengeschichte, eine Feuerwehrgeschichte (2009)