GEWERBEZUNFT KUCHL
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Geschichte der Kuchler Zunft:    1942 bis heute ...

      Erster Weltkrieg, Gründung von Landesfachgenossenschaften, Wirtschaftskrise, Nationalsozialismus - Die Aktivitäten der Kuchler Gewerbezunft plätschern zwanzig Jahre mehr schlecht als recht dahin. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade während des Zweiten Weltkrieges wieder neue Aufzeichnungen und Lebenszeichen zu bemerken sind ...

 

Der Neubeginn

Kassabuch 1942 - Gewerbezunft KuchlDas vorhandene Vermögen der ehemaligen Schuhmacherzunft beziehungsweise der Gewerbegenossenschaft Kuchl wird von der nationalsozialistischen Gemeindevorstehung konfisziert und auf ein Sparbuch bei der Raiffeisenkasse Kuchl angelegt. Die wertvollen Zunftsymbole waren vorher von verantwortungsvollen Zunftmitgliedern in Kisten im Dachboden der Volksschule versteckt worden.

Während zum Beispiel die Kuchler Bürgerschaft gänzlich während der Herrschaft der Nationalsozialisten aufgelöst und das nicht unbeträchtliche Vermögen der Gemeinde einverleibt wurde, durfte die Gewerbezunft erstaunlicher Weise ab 1942 auf das Sparbuch zu greifen und daraus die Teilnahme an Mitgliederbeerdigungen finanzieren. Nach dem Ende des Krieges, kam es - wie bei fast allen Vereinigungen in Kuchl - zu einem Neubeginn. Langsam aber doch ging es mit der Wirtschaft wieder bergauf. Zusammenfassend kam man festhalten, dass der Fortbestand der Zunft, trotz widriger Umstände, ein bewunderungswürdiges Beispiel der Bewahrung von ehrwürdiger Tradition darstellt.

Es wurde von nun an wieder regelmäßig an den kirchlichen und weltlichen Festen in Kuchl teilgenommen. Die starke Einbindung in das öffentliche Leben war auch ein Ausdruck eines wiedergewonnenen Standesbewusstsein der Kuchler Gewerbetreibenden. Höhepunkt im Zunftjahr ist natürlich wieder die Abhaltung des Schusterjahrtages traditionell am ersten Montag nach Maria Geburt.

Im Jahr 1955 wird die neue Zunftfahne gesegnet, die von der Herbergsmutter (Stiegenwirt) Frau Bernhofer gespendet wurde. An der Spitze der Gewerbezunft Kuchl steht der "Zunftvater". Unterstützt wird er von der "Zunftobrigkeit" (Ausschuss), die aus dem "Schreiber" (Schriftführer), "Zechmeister" (Kassier), Fähnrich und weiteren Funktionären besteht.

Chronik der Gewerbezunft KuchlIm Jahr 1971 stiftet die Kammer der Gewerblichen Wirtschaft Salzburg der Kuchler Gewerbezunft eine ledereingebundene "Chronik des Gewerbetages in Kuchl". In der seither die Abläufe der Schusterjahrtage schriftlich festgehalten werden. Diese mit Tinte und Feder geschriebenen Texte sind ein historischer Bestandteil im, seit hunderten Jahren, traditionellen Ablauf des Schusterjahrtages. Hier werden auch alle Ehrengäste, alle freigesprochenen Lehrlinge, Auszeichnungen und Ehrungen, Kassaberichte sowie die verschiedenen Reden notiert.

Die Gewerbezunft Kuchl  stellt sich neben ihrer Hauptaufgabe - die Bewahrung und Erhaltung jahrhundertlanger Traditionen - auch den Anforderungen der heutigen Zeit. So ließ die Zunftobrigkeit 1993 eine hochwertige Kopie des Zunftkreuzes aus dem Jahr 1520 anfertigen. Auf Anregung von Schuhmachermeister Leopold Unterwurzacher wurde 1994 die Meisteraufnahme wieder beim Schusterjahrtag eingeführt.

Die Gewerbezunft Kuchl stellt sich aber auch immer wieder in den Dienst für soziale Hilfe. Zum Beispiel wurde am 25. Dezember 1989 zusammen mit verschiedenen Privatpersonen und der Freiwilligen Feuerwehr Kuchl ein Hilfskonvoi für Rumänien zusammen gestellt. Dort herrschte nach einer Revolution und der Hinrichtung des Diktatorenehepaares Nicolae und Elena Ceausescu Not und Elend. Mitglieder der Zunftobrigkeit und der Freiw. Feuerwehr Kuchl fuhren mit einem LKW - beladen mit über 800 Paketen Hilfsgüter im Wert von ca. € 18.000,-- - nach Rumänien und übergaben dort die Hilfsgüter direkt an den Ortspfarrer von Sona (Schönau). Weiters wird für in Not geratene Mitglieder gesammelt und zusammen geholfen. Aber auch die Pfarre Kuchl wird bei größeren Vorhaben tatkräftig unterstützt.

Zunftbuch Kuchl1995 wurde mit der Planung eines Projektes begonnen, dass 1999 mit der Präsentation des Buches: "Die Geschichte der Gewerbezunft von Kuchl - zwischen Tradition und Moderne" ihren Abschluss fand. In diesem 260 Seiten starken Werk versucht Autor Prof. Mag. Siegfried Lettner zusammen mit der damaligen Zunftobrigkeit die vorhanden Daten und Fakten über die Kuchler Gewerbezunft zusammen zu führen und einen lesbaren Überblick über diese Institution zu geben. Das Buch wurde in einer feierlichen Stunde vom gebürtigen Kuchler Roland Adrowitzer (ORF-Chefredakteur) im Pfarrsaal vorgestellt.

2003 konnte nach langen Vorarbeiten die neue repräsentative Zunftfahne gesegnet werden. Auch wird bis heute auf die Förderung der Gemeinschaft der Kuchler Gewerbetreibenden ein großes Hauptaugenmerk gelegt. Dies spiegelt sich in gemeinsamen Ausflügen und Betriebsbesichtigung der Mitgliederfirmen wieder.

Auf Anregung von Zechmeister Wimmer Georg wurde 2014 mit der Planung einer eigenen Homepage begonnen und diese von Rupert Unterwurzacher zum Schusterjahrtag 2015 realisiert und vorgestellt.

 

 

 

 

Der Zunftvater

Der Begriff Zunftvater ist laut Dr. Franz Lospichl erst im letzten Jahrhundert üblich geworden (Amtszeiten teilweise unbekannt):
Unterwurzacher Rupert jun., Schuhmachermeister
Riedl Thomas, Schuhmachermeister
Stabauer Leopold, Bäckermeister
Höll Johann, Tapezierermeister   1930  - 1960
Wallmann Helmut, Wagnermeister   1960 - 2000
Reindl Rupert, Tischlermeister   2000 -

Wechsel Zunftvater

Übergabe des Zunftkreuzes im Jahr 2000 von Wallmann Helmut (li.) an Rupert Reindl.

Quellen:
Archiv der Gewerbezunft Kuchl
Dr. Franz Lospichl - Der Gewerbejahrtag in Kuchl (1971)
Prof. Mag. Siegfried Lettner - Die Geschichte der Gewerbezunft von Kuchl (1999)
Rupert Unterwurzacher - Entflammt - eine Ortsgeschichte, eine Familiengeschichte, eine Feuerwehrgeschichte (2009)